
Hoffmann & Campe 2002
Original Titel: Jack the Ripper - Portrait of a Killer (Putnam [USA] 2002, Little Brown [UK] 2002)
- Wer war Jack the Ripper - Porträt eines Killers (Goldmann 2005)
Der Stein zu diesem Buch wurde bei einem Treffen zwischen Patricia Cornwell und dem stellvertretenden Polizeipräsidenten von Scottland Yard - John Grieve - ins Rollen gebracht. Es stellte sich heraus, dass er ein "Ripper-Experte" ist.
Er war es auch, der ihr Walter Sickert (ein zur damaligen Zeit bekannter Maler) als Täter vorsetzte. Obwohl sich ihr Interesse an Jack the Ripper vor diesem Treffen in Grenzen hielt fing sie an, sich die Gemälde von Walter Sickert anzuschauen.
Sie sah in seinen Werken nur Morbidität, Gewalt und Hass auf Frauen. Immer mehr zog sie Parallelen zwischen den Bildern von Walter Sickert und den Tatort-Fotografien der Ripper-Opfer. Von nun an war auch sie dem Mythos über Jack the Ripper verfallen.
Sie begann ihre Aufgabe und scheute keine Mühen und Kosten um den Beweis zu liefern, dass Walter Sickert der wahre Jack the Ripper war. Ungefähr 6 Millionen Dollar investierte sie zur Überführung des Täters und befasste sich ca. 18 Monate intensiv mit diesem Fall. In dieser Zeit erwarb sie diverse originale Gemälde und Briefe von Walter Sickert, in der Hoffnung, Fingerabdrücke oder noch verwertbare Speichelproben für DNA-Analysen zu erhalten. Herausgekommen ist "Wer war Jack the Ripper - Portrait eines Killers".
Mit diesem Buch hatte sich Patricia Cornwell in der Ripper-Szene keine Freunde gemacht, im Gegenteil: Dieses Werk wurde kritisiert wie kein anderes ihrer Bücher. Aber warum? Letzten Endes tat sie nichts anderes als die anderen Ripperologen auch: Sie hatte einen favorisierten Verdächtigen (wie jeder andere auch), sie versucht ihre Thesen zu untermauern (wie jeder andere auch) und sie veröffentlichte diese These (wie jeder andere auch). Nur besteht ein kleiner Unterschied: Sie verfügt über Mittel, die weiter reichen als die theoretischen Vermutungen der meisten Ripperforscher. Das sollte ihr jedoch nicht zum Nachteil gereicht werden. Aber was wäre, wenn sie den tatsächlichen Mörder gefunden hätte? Dann wäre der Mythos "Jack the Ripper" tot, und auf der ganzen Welt hätten die Ripperexperten keine Aufgabe mehr. Wird vielleicht auch deswegen diese These so massiv bekämpft...?
Ob sie nun den wirklichen Mörder gefunden hat oder nicht sollte jeder für sich selbst entscheiden. Und wenn man die Geschichte mit Walter Sickert mal weg lässt, so hat sie doch ein sehr schönes Sachbuch über Jack the Ripper und das viktorianische England geschrieben. Man erfährt vieles aus der damaligen Zeit und fühlt sich in diese Zeit zurückversetzt. Und irgendwie bekommt man das Gefühl nicht los, selbst Augenzeuge bei den Taten gewesen zu sein...

Sprecher: Franziska Pigulla und Stephan Benson
Inhalt: 4 CD's, 8-seitiges Booklet
Spielzeit: 293 Minuten
Sprache: Deutsch
Gekürzte Lesung